Toilette, Schaumstoff, Sound

Teil 2: Geräusche aus dem Labor

Der perfekte Sound für das Dusch-WC wird bei uns in unserem bauphysikalischen Labor entwickelt. Wie? Das verrät Dr. Oliver Wolff heute in seinem Interview.

Sound fürs Dusch-WC

Im ersten Teil unserer Interviewserie haben wir euch gezeigt, dass die Geräusche beim Dusch-WC nicht zufällig entstehen – hier steckt harte Arbeit und echtes Sound-Design dahinter. Heute plaudert Oliver Wolff aus dem Nähkästchen und zeigt uns, wie das Sound-Design in seiner bauphysikalischen Abteilung überhaupt umgesetzt wird.

Volker: Was macht denn ein gutes Geräusch aus?

Dr. Oliver Wolff: Wenn Akustik nicht auffällt, ist sie genau richtig. Erst wenn Geräusche unangenehm auffallen, werden sie bewusst wahrgenommen und als störend empfunden. Doch es gibt auch Akustik, die auffallen soll: Man ist nämlich erst dann zufrieden, wenn man die Information, die man erwartet, erhält. Das Ausfahren des Duscharms muss beispielsweise zu hören sein, denn sonst wird der Nutzer von der Dusche überrascht. Hierbei präferieren die meisten Menschen ein leises „sssst“. Das laute Rattern einer Bohrmaschine würde hingegen wieder Verunsicherung hervorrufen. Ein anderes Beispiel: Das sanfte Plätschern des Wasserstrahls unterstreicht das Wellness-Gefühl des Nutzers. Ein weiterer Wohlfühl-Aspekt zeigt sich in der TurboFlush-Technologie, eine Spülung die sehr leise ist und damit das Dusch-WC-Feeling perfekt macht.

Labor, Sound-Design, Akustik

Hier entstehen Sounds – im bauphysikalischen Labor.

Volker: Wie kannst du die Klangqualität verbessern?

Dr. Oliver Wolff: Wir können den Schallarten Luft- und Körperschall mit verschiedenen Mitteln entgegen wirken. Luftschall ist der Schall, der sich durch die Luft ausbreitet wie beim Sprechen. Körperschall hingegen breitet sich in Körpern aus, beispielsweise das Hämmern eines Nagels in die Wand. Stellen wir uns vor, wir schlagen eine Gabel an ein Glas und wiederholen den Test einmal mit einem Plastikbecher und einmal mit einem Becher aus Gummi. Jedes Mal hört sich das Anschlagen mit der Gabel anders an und an solchen Stellschrauben können wir drehen. Wir beeinflussen den Schall durch Entkopplung oder Einkapseln, beispielsweise durch elastische Schäume, die wir als Schallschutzmaterial einsetzen.   

Toilettenspülung, TurboFlush, Wasser

TurboFlush-Technologie – sound-optimierte Spülung.

Volker: Wie viele Geräusche hat denn ein Dusch-WC und wie lange brauchst du, um es sound-technisch zu perfektionieren?

Dr. Oliver Wolff: Je nach Modell kommen bis zu 14 verschiedene Geräusche zusammen: Deckel öffnen und schließen, Duscharm ausfahren, Föhn, Spülung, Ladydusche und so weiter.

Die Definition des perfekten Geräusches für eine Funktion dauert ein bis zwei Wochen, bis das Ganze dann entwickelt und in ein Produkt umgesetzt wird, das schließlich in Serie geht, natürlich länger.

Volker: Früher gab es ja noch kein Sound-Design. Wie hat sich das weltweit entwickelt?
Dr. Oliver Wolff: Heute haben wir besser gedämmte Häuser, von schallisolierten Fenstern bis Wänden – deshalb nehmen wir inzwischen Geräusche von Sanitäranlagen viel mehr wahr, als wir das früher getan haben und empfinden sie als störend. Daher stieg der Bedarf an höherem Schallschutz und optimiertem Sound-Design.

Es gibt hierbei aber erhebliche kulturelle Unterschiede: In Italien beispielsweise findet man Lautstärke nicht so störend wie in Deutschland. Oftmals sind die Wände nur acht Zentimeter stark und die Leute freuen sich, wenn sie die Nachbarn hören.

Portrait, Oliver Wolff

Oliver Wolff weiß, wie das Dusch-WC klingen muss.

Volker: Hast du ein Lieblingsgeräusch?

Dr. Oliver Wolff: In der Arbeit habe ich keine emotionale Bindung zu den Geräuschen, hier analysiere ich genau, wo das Geräusch herkommt, was dahinter steckt und stehe dem neutral gegenüber. Privat höre ich gerne Klaviermusik.

Nachdem ich das Interview geführt habe, achte ich bei meinem Dusch-WC ganz genau auf die Geräusche und ich muss sagen: Für mich ist das wirklich stimmig. Wie geht es euch? Erzählt gerne in den Kommentaren von euren Erfahrungen!

Bildnachweis Titelbild © fotolia / alswart
 

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