Toilette Herz

Evolution im Badezimmer

Vom Erdloch zum Dusch-WC – die Geschichte der Toilette

Die Geschichte des 00

Schon lange begeistern mich Reisen in unsere wunderbare Welt. Dabei interessieren mich, die Ländersammlerin, Mensch, Tier, Natur, Essen, Kunst, Kultur und vor allem: Toiletten – die sinnlichste, sinnvollste Erlösung der Menschheit zum oftmals dringendsten aller Bedürfnisse. Komm mit auf (m)einen Kurztrip durch Welt und Zeit der Klo-Kultur unserer Vorfahren und zahlreichen Zeitgenossen. 

Latrine, Klosett oder auch Lokus: Im Laufe der Zeit hat die Toilette beinahe eben so viele Beinamen bekommen wie Entwicklungsstufen durchlaufen. Vom simplen Loch in der Erde hat sich die Sanitär-Vorrichtung zum Hightech-Produkt gemausert, das im modernen Badezimmer unentbehrlich ist.

„Ich fühle mich in der Ferne oder auch in Frankfurt – meinem Wohnort – zuhause. Mit 13 Jahren weckte mein erster Sprachaufenthalt in England mein Interesse an fremden Ländern.“

Gastautorin Nina Sedano

Am Anfang war – ja was eigentlich?

Inder, Chinesen, Sumerer: Ob nun Kupferrohrleitungen zur Wasserversorgung von Toiletten in einem Palast im heutigen Pakistan oder ob tönerne Abwasserleitungen und gemauerte Kanalsysteme in Mesopotamien zuerst da waren, lässt sich schwer sagen. Bis heute sind sich Experten über die ersten Besitzer einer Toilette mit Wasserspülung uneinig. Archäologen datieren die ältesten Überreste öffentlicher WCs auf ca. 3.000 vor Christus. Sicher ist, dass spätestens mit den alten Römern der Fortschritt einzog, wenn es um die Verrichtung der Notdurft ging.

 

Latrinen-Toilette früher

Bei den Latrinen in Leptis Magna, Libyen, verrichtete man sein Geschäft in geselliger Runde.

Ich kam, ich sah, ich musste mal

Die Römer frönten einem wahren Latrinenkult. Viele Latrinen sind in den Städten von einst – heute UNESCO-Welterbe – noch zu sehen. Ihre Pracht lässt sich leider nur erahnen. In Räumen mit bis zu 80 Steinsitzen ohne Trennwände wurde das gesellige Beisammensein und Geschäftemachen gefördert – bei einem Abstand von 50 bis 60 Zentimetern zum Sitznachbarn. Spülrinnen zur Bodenreinigung lagen unterirdisch verborgen. Mosaike schmückten Fußböden, Fresken und Phrasen die Wände. Springbrunnen sorgten für eine erfrischende Atmosphäre. Eine der bekanntesten noch erhaltenen Latrinen steht in Leptis Magna in Libyen.

Ein Schritt vor, zwei zurück

Es ist kein Geheimnis: Das Mittelalter kann nicht gerade als Glanzzeit der menschlichen Zivilisation bezeichnet werden. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches geriet auch das umfangreiche Wissen um die gehobene Klokultur in Vergessenheit. Vielerorts entleerten die Menschen den Inhalt ihrer Nachttöpfe auf der Straße.

Wer nachts spazieren ging und es sich leisten konnte, engagierte einen Vorläufer, dessen Aufgabe darin bestand, seinen Herrn vor etwaigen Tritthaufen auf dem Weg zu warnen. Manche Relikte erinnern heute noch an die Unsitten dieser Zeit: Die Abtritt-Erker sind noch in vielen mittelalterlichen Burgen zu sehen – ein einfaches Loch diente dazu, dass alles direkt ins Freie oder in den Burggraben fiel.

Pioniere der Toiletten-Kultur

Die Toilette, wie wir sie heute kennen, haben wir gleich mehreren Männern zu verdanken. 1596 installierte Sir John Harrington in England das erste Wasserklosett in seinem Haus in Kent. Die Toilette funktionierte mit Wasserspülung, Spülkasten und Ventil, wobei das Wasser von Hand nachgefüllt werden musste. Die Bevölkerung hatte jedoch kein Interesse an der Erfindung.

Erker, Toilette früher

Wenig adlig: Abtrittserker für Burgfräulein und -herren.

Beinahe 200 Jahre später griff der Londoner Uhrenmacher Alexander Cumming die Idee Harringtons wieder auf und erweiterte das Klosett um ein S-förmiges Abflussrohr, um den Geruch in Schach zu halten. Das Siphon war geboren. Um 1810 kam in England die erste praktisch brauchbare Konstruktion eines WCs auf den Markt, dessen Einführung erst stockend verlief, dann aber beliebter wurde. 1840 wurde das erste Zugabteil mit Toilette für die englische Königin eingerichtet. 1877 gelang schließlich dem US-Amerikaner Charles Harrison das Brennen von WC-Becken in einem Stück.

Auf dem Weg zum weißen Standard

Mit zunehmender Urbanisation wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Bedürfnis nach Hygiene stärker. Weiße Kloschüsseln steigerten dieses Bewusstsein. Sie konnten günstig in Mengen produziert und auch in einfachen Haushalten installiert werden. Um 1920 war in England die uns bekannte Material- und Formgebung des Sitz-WCs gefunden. Bereits 1957 sorgte das erste Dusch-WC, das den Po sanft mit Wasser reinigt, bei den für ihren im Vergleich zu anderen Ländern hohen Körperhygiene-Standard bekannten Japanern für Furore. Eine japanische Erfindung ist es aber nicht. Diese Ehre gebührt dem Schweizer Hans Maurer, der es damals zum Patent anmeldete. Inzwischen hat sich das Dusch-WC zu einem multifunktionalen Hightech-Sanitärobjekt entwickelt. Ausgestattet mit Wellness-Funktionen wie Warmluftföhn und Sitz-Heizung hat es nur noch eines mit seinen jahrtausendealten Vorfahren gemeinsam: Es sorgt für die tägliche Erleichterung eines jeden Menschen.    


Und in Zukunft?

Noch ist die Kulturgeschichte des Klosetts nicht zu Ende. Das Wohlfühlzeitalter ist längst eingeläutet. Seien wir gespannt darauf, was uns die moderne Wissenschaft rund ums WC in Zukunft bieten wird!

Dies war für Geberit und alle, die mal müssen, die von Nina Sedano gekürzte und leicht geänderte Version des ersten Kapitels aus ihrem Buch „Happy End – Die stillen Örtchen dieser Welt. Neues von der Ländersammlerin“ (Eden Books, ISBN 978-3-944296-94-4, 378 Seiten, EUR 14,95).

Über Nina Sedano

Im September 2011 hatte Nina Sedano alle 193 Staaten der Vereinten Nationen bereist. Sie ist die einzige Frau im deutschsprachigen Raum von der dies bekannt ist. Ihr Buch „Die Ländersammlerin“, in dem sie von ihren Reiseerlebnissen berichtet, stand 70 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Bildnachweis "Latrine": © EvrenKalinbacak / Fotolia

Bildnachweis "Erker": © Nina Sedano

Bildnachweis "Nina Sedano": © Grewe-Fotodesign

 

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