Schwarze Wand mit Graffiti und der Aufschrift Notausgang keine Toilette.

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Schmiererei oder Gesellschaftsstudie?

Die einen fühlen sich von ihnen gestört, die anderen gut unterhalten: Klosprüche zieren die Wände vieler öffentlicher Toiletten.

Das steckt hinter den Sprüchen auf dem Örtchen

Ob mit Edding, Kugelschreiber oder gar ins Holz geritzt: Jedem sind vermeintlich schlaue Sprüche, Zitate oder kontroverse Diskussionen auf Toilettenwänden schon einmal begegnet. Dass mehr dahinter steckt als bloßer Vandalismus, weiß die ehemalige Bonner Studentin Katrin Fischer. Im Zuge ihrer mit 1,3 benoteten Magisterarbeit aus dem Jahr 2009 hat sie sich ausführlich mit dem Kommunikationsverhalten auf dem Damen-WC ihrer Universität befasst.

Der Schutz der Anonymität

Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung war es, herauszufinden, ob die Anonymität der Verfasser einen Einfluss auf das Geschriebene hat. Schließlich weiß niemand, wer da hinter verschlossener Kabinentür seine Weisheiten zum Besten gegeben hat. Und in der Tat: Von vulgären Ausdrücken über Streitgespräche bis hin zu gegenseitiger Zensur mittels Durchstreichen und Übermalen vorheriger Texte scheinen Klokünstler vor nichts zurückzuschrecken.

Mich persönlich erinnert diese Erkenntnis stark an soziale Medien, in denen sich viele – wenn natürlich längst nicht alle – Nutzer im Schutze des anonymen Internets dazu berufen fühlen, ihre Gedanken ungefiltert in die Öffentlichkeit hinauszuschreiben. Doch im Gegensatz zu schnelllebigen Dialogen auf Facebook & Co. lebt die Klokommunikation von ihrer Langsamkeit. Nicht immer reagiert ein und dieselbe Person auf Folgekommentare zu ihrem Ursprungsspruch. So lassen sich in bekritzelten WC-Kabinen häufig die verschiedensten Meinungen zu unterschiedlichsten Themen nachlesen.

Von gesellschaftskritischen Diskussionen bis hin zu Kneipensprüchen

Fischer fasst die von ihr untersuchten Texte unter der Kategorie „Frauen- und Lebensprobleme"1 zusammen. Ein heiß diskutiertes Thema, das der Sprachwissenschaftlerin untergekommen ist, war beispielsweise der Sinn und Unsinn veganen Lebens. Ganze 60 Mal wurde rund um die besondere Ernährungsgewohnheit und Lebensart diskutiert. Sogar Nährwerttabellen wurden an die Wand gekritzelt. Doch neben gesellschaftskritischen Themen seien auch viele Sprüche auf den Uni-Toiletten dabei gewesen, die an Kneipentoiletten erinnern.2

Schwarze Wand mit weißen Graffitischriftzügen und zwei weißen Urinalen.

Auch auf Männertoiletten sind Nachrichtengraffitis an die Wände gekrizelt.
© Schönhässlich

Kritzeln Frauen anders als Männer?

Noch deutlicher in Richtung Kneipe soll es auf den Männer-Toiletten der Universität Bonn zugegangen sein. Zwar hat Fischer selbst sich nur mit den Räumlichkeiten für das weibliche Geschlecht befasst, doch durch Gespräche mit männlichen Kommilitonen habe sie feststellen können, „dass auf den Männertoiletten tendenziell eher versaute Sprüche stehen. Richtige Diskussionen sind nicht zu finden."

Ist das Klischee der gerne und viel auf dem WC redenden Damen also wahr? Welche Erfahrungen hast du schon mit Kritzeleien auf öffentlichen Toiletten gemacht? Schreibe uns deinen besten Spruch gerne unten ins Kommentarfeld!

1 https://www.welt.de/vermischtes/article4116801/Forscherin-weiss-was-Frauen-auf-dem-Klo-machen.html
2 ebd.
3 https://www.n-tv.de/panorama/Klo-Graffiti-article437620.html

Titelbild © Schönhässlich

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