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Oohh, genormt!

Etwa 50 internationale Vertreter aus Wissenschaft und Industrie entwickeln derzeit eine Norm für Dusch-WCs. Mit dabei: die Hochschule Esslingen.

2020 kommt die Dusch-WC-Norm

Eine Norm definiert Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren und trägt daher maßgeblich zur Qualitätsverbesserung und –sicherung bei. An einer Norm für Dusch-WCs arbeitet derzeit ein Team von ca. 50 internationalen Wissenschaftlern und Vertretern der Industrie, die von der „International Electrotechnical Commission“, kurz IEC, ernannt wurden. Bis 2020 soll die IEC-Norm für Dusch-WCs fertig sein.

Zwei deutsche an der Arbeitsgruppe beteiligte Wissenschaftler sind Prof. Dr.-Ing. Carla Cimatoribus und Prof. Dr.-Ing. Hans Messerschmid. Sie arbeiten an der Hochschule Esslingen und haben bisher rund 15 Dusch-WCs für das Norm-Projekt unter die Lupe genommen.

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Prof. Dr.-Ing. Hans Messerschmid (links) ist Professor für Sanitär-, Gas- und Fernwärmetechnik. Prof. Dr.-Ing. Carla Cimatoribus (rechts) ist Professorin für Umwelt- Abwasser-, Abfall- und Wassertechnik.

Volker: Die IEC will Standards zur Beurteilung von Dusch-WCs entwickeln und diese in einer Norm festschreiben. Warum benötigen wir diese Norm?

Prof. Messerschmid: Die Norm ist wichtig, damit der Endverbraucher Produkte verschiedener Hersteller miteinander vergleichen kann. Durch die von uns zusammen mit den anderen Mitgliedern des Normungsausschusses entwickelten Tests ist beispielsweise die Vergleichbarkeit des Wasserverbrauchs verschiedener Dusch-WCs möglich.

Volker: Bei Ihren Untersuchungen lernen Sie Dusch-WCs aus der ganzen Welt kennen. Gibt es signifikante Unterschiede?

Prof. Messerschmid: Allerdings! In Europa steht der Wellness-Faktor im Mittelpunkt, während in Japan beispielsweise ein starker Fokus auf die Wassereinsparung gelegt wird.

Volker: Das Stichwort Wassereinsparung bringt mich auf die nächste Frage, denn letzten Herbst haben wir ein interessantes Interview mit dem Sanitärwissenschaftler Prof. Demiriz auf dem Blog veröffentlicht. Er berichtete uns vom sogenannten „Pflaumenmus-Test“. Haben Sie ähnliche Methoden, um die Reinigungsleistung des Dusch-WCs im Labor zu testen?

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Prof. Dr.-Ing. Carla Cimatoribus trägt die künstliche Paste auf ein Plexiglas-Profil auf.

Prof. Cimatoribus (lacht): Ja, wenn es darum geht, die Beschaffenheit menschlicher Exkremente für das Labor nachzuahmen, ist Kreativität gefragt! Wir haben es beispielsweise schon mit Miso-Paste versucht, einem Algengemisch, das üblicherweise zum Würzen verwendet wird. Allerdings variiert die Konsistenz von Hersteller zu Hersteller, so dass wir inzwischen eine speziell hergestellte Paste verwenden, die dem Naturvorbild sehr nahe kommt. Diese Paste wird in ein Plexiglas-Profil gestrichen, dann starten wir das Dusch-WC. Um herauszufinden, wie effizient das Dusch-WC arbeitet, stoppen wir die Zeit, bis das Plexiglas wieder sauber gespült ist. Um exakte Ergebnisse zu erhalten, filmt eine Kamera diesen Vorgang. So können wir im Nachgang konkret feststellen, zu welchem Zeitpunkt das Plexiglas freigespült wurde und wie hoch der Wasserverbrauch war.

Volker: Die Norm soll 2020 fertiggestellt sein. Inwieweit wird diese verbindlich sein?

Prof. Messerschmid: Im Moment handelt es sich um privatrechtliche Standards, an die sich die Hersteller freiwillig halten können. Sobald eine Norm jedoch in einer Verordnung genannt wird, ist sie verbindlich. So oder so: Kundinnen und Kunden schätzen ein normgeprüftes Gerät mehr als ein nicht geprüftes. Insofern wird der Markt vermutlich dafür sorgen, dass alle Hersteller normkonforme Geräte anbieten.

Volker: Wie schätzen Sie die Zukunft von Dusch-WCs ein? Werden sie bald Standard sein?

Prof. Cimatoribus: In Japan verfügen bereits 80 % der Haushalte über ein Dusch-WC, in der Schweiz sind es ca. 10% – diese Länder sind damit Vorreiter in Sachen Reinigung mit Wasser. Das Bewusstsein für diese hygienische Reinigungsform gibt es auch schon bei vielen Deutschen und ich rechne damit, dass es sich mittelfristig bei einem großen Teil der Bevölkerung durchsetzen wird.

Volker: Und was halten Sie persönlich von Dusch-WCs?

Prof. Cimatoribus: Ich habe mir gerade eines für mein neues, aber kleines Bad gekauft. Mit dem Dusch-WC spare ich den Platz eines Bidets ein.

Prof. Messerschmid: Ich habe bereits als junger Mann im Elternhaus den ersten Kontakt zu Dusch-WCs gehabt. Daher bin ich schon immer ein begeisterter Nutzer und würde nicht mehr darauf verzichten wollen. Wir haben zu Hause sogar zwei verschiedene Modelle in Gebrauch.

Volker: Oh, das freut mich zu hören! Wir haben Sie also ganz überzeugt?

Prof. Messerschmid: Ja, ich bin von den Neuentwicklungen begeistert! Auch das AquaClean ist für mich eine echte Wellness-Toilette. Doch herstellerunabhängig könnte die Anpassung an spezielle Kundenwünsche, etwa durch eine austauschbare Düse, noch verbessert werden.

Volker: Danke für die Anregung und weiterhin viel Erfolg bei Ihren weiteren Tests! Wir werden das Projekt weiterverfolgen.

 

Bildnachweis © Hochschule Esslingen

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