Buch Martin Wilhelmi, Der Po Doc, Trias Verlag

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Love your butt!

Klolektüre, Teil 3: Der „Po Doc“ Dr. Wilhelmi erklärt uns, warum wir unserem Hinterteil mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Dr. med. Martin Wilhelmi ist Facharzt für Gastroenterologie in Zürich – und Buchautor. Mit seinem Titel „Der Po Doc. Eine spannende Expedition zum Ende des Darms“ hat er unser Interesse geweckt, denn wie wir tritt er dafür ein, eine viel zu wenig beachtete Körperregion mehr wertzuschätzen: den Po. Grund für uns genug, das Buch genauer anzuschauen und mit dem Experten zu sprechen.

Ein Buch ganz ohne Tabus

Wenn es um unser Hinterteil geht, kennt Herr Wilhelmi keine Tabus. Er spricht ganz frei über Po, Anus und Darm und lässt dabei nichts, aber wirklich gar nichts aus: Verdauung, Enddarmerkrankungen, Bakterien, Hämorrhiden, Analsex, Tipps für einen gesunden Po – all dies und noch mehr findet sich in seinem Buch. Dass er sich dabei für den ein oder anderen Kalauer nicht zu schade ist, führt dazu, dass sich das Ganze zugegebenermaßen manchmal etwas drastisch liest. Es zeigt aber auch, wie wenig wir tatsächlich über diesen Teil unseres Körpers wissen. Wahrscheinlich ist dieser ungeschönte, ironische Umgang genau der richtige Weg, wenn man die Menschen für einen bewussten, sinnlichen Umgang mit dem Po sensibiliseren muss. Und spätestens beim Thema Po-Gesundheit hat der Autor all unsere Sympathie gewonnen!

Volker Röttger: Herr Dr. Wilhelmi, in Ihrem Buch „Der Po-Doc“ schreiben Sie sehr ausführlich über ein Körperteil, über das viele Menschen schweigen. Wie hat Ihr Bekanntenkreis auf die Veröffentlichung reagiert?

Martin Wilhelmi: Einige waren amüsiert, wenige auch etwas peinlich berührt. Insgesamt ist der Po nach wie vor eine Tabu-Zone. Was ich interessant finde, da ja eigentlich jeder einen Po und einen Anus besitzt und Bilder davon im Internet in jeder möglichen Position abrufbar sind. Einige meiner Bekannten berichteten jedoch, auch diesen Bereich ganz neu kennengelernt zu haben, das hat mich gefreut.

Gastroentereologe und Po Doc Martin Wilhelmi.

Möchte, dass wir unserem Po mehr Aufmerkeit schenken: Gastroentereologe und Buchautor Martin Wilhelmi. © Martin Wilhelmi

Volker Röttger: Warum sollten wir dem Po mehr Aufmerksamkeit schenken?

Martin Wilhelmi: Für mich ist der Po mein „Arbeitsgebiet“: Ich führe neben Magen- auch viele Darmspiegelungen durch und bin so professionell mit diesem Bereich sehr vertraut. Schaut man genauer hin, ist der Po keine Schmuddelzone, sondern eigentlich ein wundervolles und präzise arbeitendes Organ, welches uns im Endeffekt erst das Menschsein ermöglicht. Denken Sie z.B. an die Stuhlkontinenz und was passiert, wenn wir diese Funktion verlieren. Auch als Sexualorgan ist der Po in unserer Kultur eher unterschätzt, denke ich.

Volker Röttger: Können Sie verstehen, dass der Po, seine Reinigung und alles, was mit ihm zu tun hat, mit einem Tabu behaftet ist?

Martin Wilhelmi: Das ist traditionell vorgegeben und historisch entstanden, aber eigentlich unnatürlich. Auch wenn es sich um ein Ausscheidungsorgan handelt, ist es ein extrem sensibler Bereich mit vielen hochkomplexen Funktionen. Daher denke ich, man sollte sich um dieses Organ genauso gut kümmern wie um alle anderen Organe. Mein Buch „Der Po-Doc“ versucht dieses Tabu zu brechen.

Volker Röttger: Kinder sind oft unbefangener im Umgang mit allem, was mit Po und Ausscheidungen zu tun hat. Wie kommt das?

Martin Wilhelmi: Ich würde sagen, Kinder haben noch einen natürlichen Umgang mit eigenen Körperteilen. Die Assoziation, dass Teile des Körpers peinlich oder „schmutzig“ sind, wird ihnen in der Regel antrainiert. Die Funktion des Po, unseren Stuhl nur dann zu entlassen, wenn wir es wollen, ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kindes. Wahrscheinlich lernen wir hierbei insgesamt Kontrolle zu übernehmen, nach Sigmund Freud nennt sich dies die „anale Phase“.

Volker Röttger: Gibt es bei ihren Patienten auch geschlechtsspezifische Unterschiede: Redet ein Geschlecht freier über Probleme oder kommt eher in ihre Praxis?

Martin Wilhelmi: Tendenziell sind Frauen häufig entspannter – wahrscheinlich, da sie vom Gynäkologen solche Untersuchungen kennen. Vielleicht aber auch deswegen, da dieser Bereich bei der Frau nicht wie beim Mann mit Homosexualität assoziiert wird.

Frau Jeanshose auf einem Fahrrad.

Sollte laut Martin Wilhelmi mehr in unseren Mittelpunkt rücken: der Po. © Nobilior

Volker Röttger: Glauben Sie, dass die Gesellschaft künftig offener über den Anus, Po & Co. sprechen wird?

Martin Wilhelmi: Ich hoffe es! Erstaunlich finde ich den Grad der Verklemmtheit für diesen Bereich in einer Zeit, in der eine wahre Bilderflut im Internet jedes Körperorgan in jeder Position darstellt. Für mich wäre eine Enttabuisierung dieses Bereichs gleichbedeutend mit mehr Öffnung, mehr Gleichberechtigung und weniger Schamgefühlen.

Volker Röttger: Welche Tipps zur Po-Pflege haben Sie? Konkret: Was halten Sie von der Reinigung mit Wasser, wie sie mit dem Geberit AquaClean Dusch-WC möglich ist?

Martin Wilhelmi: Es ist definitiv die beste und natürlichste Form der Reinigung! Ich empfehle es jedem meiner Patienten. Falls Sie keine Möglichkeit der Wasserreinigung haben, ist trockenes, weiches WC-Papier die zweitbeste Lösung. Auf jeden Fall vermeiden sollte man Feuchttücher, da diese fast immer zu Irritationen und Problemen führen.

Volker Röttger: Letzte Frage: Was wünschen Sie dem Po für die Zukunft?

Martin Wilhelmi: Ein entspanntes Verhältnis zu seinem Besitzer in jedem Sinne und natürlich Gesundheit!

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